Kultur und Weindas beschauliche MagazinSkinny Sunrise - ein Solo für Urs Fischer in der KUNSTHALLE wien |
Der in New York lebende Schweizer Shootingstar Urs Fischer wäre im Barock bestens aufgehoben. Sein Werk dreht sich – teils im wahrsten Sinn des Wortes – um Vergänglichkeit, um Vanitas, und präsentiert sich als Memento mori, ausgedrückt in Metaphern unserer Tage.
Der Künstler nimmt auch auf sich selbst keine Rücksicht, wenn es um das Schwinden geht. Sein Selbstporträt, eine lebensgroße Skulptur, besteht aus Wachs, genauso wie die Flasche vor ihm auf dem Tisch. Beide brennen langsam ab wie zwei Kerzen und werden dadurch mit jeder Stunde Brenndauer wertvoller oder überhaupt erst Kunst. | „Skinny Sunrise“ ist der Titel dieses „Totentanzes“, der bis 28. Mai 2012 als Einzelausstellung in der Kunsthalle Wien zu erfahren ist. Skinny ist eine sarkastische Umschreibung von knöchern, wenn auf einer Parkbank ein Skelett seinen Arsch erwartungsvoll gen die aufgehende Sonne reckt, um von dieser a tergo genommen zu werden – dürrer Tod und pralles Leben auf einem Blick.
Poesie pur ist „Pink Lady“, eine langsam zergehende Figur, oder tropfendes Wachs, das auf dem Boden Zeichnungen hinterlässt. „Dr. Katzenberg“ wiederum spielt barockes Theater. Fischer arrangiert in dieser „Zivilisationsruine“ verspiegelte Flächen zu einer labyrinthartigen Anordnung in einem theatralischen Spiel von Licht und Schatten. |
Geballte Ästhetik: Mode/Fotografie von den 1920ern bis heute
F.C. Gundlach (*1926) ist Modefotograf und Sammler. Im Laufe seines Lebens hat er Tausende Arbeiten von Kollegen zusammengetragen. Bilder, die ihn angesprochen haben, die ihm stark erscheinen sind, hat er angekauft und damit ein einzigartiges Archiv der Eitelkeit geschaffen, eine Bildergeschichte der Mode, deren einzige Konstante ihr stetiger Wandel ist, beginnend mit dem Ende der 1920er Jahre bis zur Gegenwart. Bilder zum Vergrößern anklicken
r.o.: Kristian Schuller, Untitled, from the series “90 days – One Dream”, 2010 © Kristian Schuller r.: Melvin Sokolsky, Du Taxi, Paris 1963, © Melvin Sokolsky, Courtesy Fahey/Klein Gallery, Los Angeles l.o.: Guy Bourdin, Untitled (Pentax Calendar 1980) © Guy Bourdin Estate / Art + Commerce l.u.: Erwin Blumenfeld, Model and Mannequin, New York, November 1945 © Estate of Erwin Blumenfeld / Art + Commerce l.g.u.: David LaChapelle, This is My House, 1997 © David LaChapelle / Art & Commerce Leiste und Titel: F.C. Gundlach, Brigitte Bauer, Op Art-Badeanzug von Sinz, Vouliagmeni/Griechenland 1966, © F.C. Gundlach
| Der elegante Herr, der 200 ausgewählte Blätter der Kunsthalle für die Ausstellung Vanity. Mode/Fotografie aus der Sammlung F.C. Gundlach (bis 1. April 2012) zur Verfügung gestellt hat, weiß wie jeder gute Sammler zu jedem einzelnen der gezeigten Fotos eine Geschichte zu erzählen und er hat Wert darauf gelegt, die Aufnahmen in der KUNSTHALLE wien nicht als Plakate zu präsentiern, sondern als gerahmte Bilder in der sogenannten Petersburger Hängung (Salonhängung).
Sie sind allesamt inszeniert, gebaut auf den Idealen der Schönheit und geprägt vom Zeitgeist, genauso aber auch wichtige Indikatoren und Interpretationen gesellschaftlicher Verhältnisse. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um Studioarbeiten (George Hoyningen-Huene und Irving Penn) oder Aufnahmen in der „dynamischen Silhouette im urbanen Kontext“ (Richard Avedon und William Klein) handelt. Es geht immer um große Gesten und glamouröse Ideale. Neben berühmten Aufnahmen für Vogue und Harper´s Bazaar u.a. von Horst P. Horst Erwin Blumenfeld und Kostümbilder von Cecil Beton sind Inszenierungen von Pop- und Op-Art Fashion von Gundlach selbst zu sehen. Körper und Gesichter von makelloser Schönheit sind uns aufgrund ihrer Omnipräsenz im Alltag zu einer gewohnten und damit gewöhnlichen Erscheinung geworden. An den grauen Wänden, die Gundlach für diese Ausstellung in der Kunsthalle aufstellen ließ, wird ihnen die Last der Reklame, ihr ureigener und ursprünglicher Zweck, abgenommen. Sie werden zu individuellen Kunstwerken abseits der Titelseiten von Hochglanzmagazinen, und sie stellen sich als Arbeiten eines Künstlers vor, der mit seiner Kamera exakt die Grenze zwischen Kunst und seinem Handwerk festgehalten hat.
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