Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Wunder erleben: vom 4. Jh. bis zur Gegenwart

Mit der Kunst Unbegreifliches erfahren

Definitionen von Wunder gibt es viele. Es kommt immer darauf an, was man als Wunder sieht. Es kann schon da beginnen, wo einem ein Freund wider Erwarten die geborgten zehn Euro zurückzahlt. Und endet dort, wo unheilbar Kranke auf unerklärliche Weise geheilt werden oder sogar Tote wieder auferstehen. Dazwischen breitet sich ein weites Feld des Wunderbaren und Wundersamen, das uns wohliges Schaudern bereitet, neugierig auf Antworten macht und allein schon deshalb ein zugkräftiges Thema für eine Ausstellung ist.

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Panorama: Nathan Coley, There will Be No Miracle Here, 2006

r.o.: Yoko Ono, Ohne Titel, 2012

r.: Nkonde Nkisi, Ende 19. Jh., Stamm der Vili, Demokratische Republik Kongo

l.o.u. Titel: Terence-Koh, Vitrines 1-10, 2006

l.u.: Franz West, Vier Passstücke, 1998

Leiste: Zaubertrankkessel aus der Realverfilmung Asterix und Obelix gegen Caesar, 1999

In der Kunsthalle Krems wurde „WUNDER, Kunst, Wissenschaft und Religion vom 4. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ (bis 1. Juli 2012) deswegen auch breit genug angelegt, um diesem Phänomen einigermaßen gerecht zu werden. Dokumentarische Nüchternheit beherrscht die Präsentation alltäglicher Wunderdinge wie Wunderkerze und Wonderbra. Es folgen Technik, Religion, Pseudo- und wahre Wissenschaft und Unterhaltung, vertreten durch Harry Potters Zauberstab und dem Kessel für den Zaubertrank aus der Realverfilmung von Asterix und Obelix.

 

Zusammengehalten wird diese Fülle an Grenzerfahrungen von der Kunst. Sie spielt eine wesentliche Rolle als Vermittler ins Reich des Unerklärlichen. Mehr oder weniger geschickt gemalte Votivbilder zeugen vom Versuch, das Wunderbare bildnerisch festzuhalten und damit zu beschwören. Kunst- und Wunderkammern fanden sich auf Fürstenhöfen, wo das Seltsame und Skurrile gesammelt wurde. Die vor weißem Hintergrund stehenden, mit ebenso weißen Kuriositäten bestückten Vitrinen 1-10 von Terence Koh (2006) spielen auf diese Urform des Museums an.

Aber auch die Kunst an sich kann bereits als Wunder angesehen werden, als eine Erscheinung des Neuen, wie sie von Franz West in „4 Passstücke“ 1998, einem blauen Kübel von Dieter Krieg („Ohne Titel“ 1994) oder dem Lichtkünstler James Turrell („Squat Blue“ 1967) „materialisiert“ wurde und damit Dinge geschaffen wurden, die vorher einfach noch nicht da waren. Ein berührendes Kunst-Wunder: Joseph Beuys: Cosmos und Damian, eine Postkarte, auf der der Künstler 1974 die Twin Towers mit den Namen der beiden christlichen Märtyrer bezeichnet hat.

 

Walter Vopava: Bilderzyklus in der Zentralen Halle

Gegenbilder zur Wirklichkeit

Am 24. Jänner 2012 wird Walter Vopava (*1948) der Österreichische Staatspreis 2011 (Bildende Kunst) von Bundesministerin Claudia Schmied und Bundespräsident Heinz Fischer in der Wiener Hofburg verliehen werden. Der in Wien und Berlin lebende und arbeitende Künstler zählt zu den wichtigsten Vertretern der Neuen Abstrakten in Österreich. Seine Gemälde entwickeln sich aus der Auseinandersetzung mit Licht, Farbe und Atmosphäre zum Farbraum.

Walter Vopava Ohne Titel 2011

Für die Kunsthalle Krems erarbeitete er einen eigens für die Zentrale Halle entwickelten Bilderzyklus, der mit bemerkenswert großen Formaten auf die Gegebenheiten des Raumes Bezug nimmt; also riesige meditative Farbflächen für die endlos hohen Wände dieses Raumes. Diese beeindruckenden Exponate von Walter Vopava sind übrigens erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen (bis 9. April 2012).

 

Kunstraum Stein:

Fremde Blicke. Reisende im Körper der Stadt

Mönche des Benediktinerstiftes Göttweig bewegen sich in ihrem Kloster. Durch ihren ernsten Gestus und dem Habit, ihrer Mönchskutte, demonstrieren sie ein in unserer Zeit mehr als außergewöhnliches Leben. Den Sinn dafür schöpfen sie aus ihrer Religion, dem Christentum. Der palästinensische Fotograf Raed Bawayah durfte sie in der Klausur ablichten, in teilnehmender Beobachtung, und liefert damit erstmals Innenansichten in das Leben des 1083 gegründeten Klosters.

 

 

Diese Fotos sind Teil eines Projektes, den Außenblick auf die Stadt Krems zu erkunden. Eingeladen waren dazu auch Michael Munding aus Rottweil am Neckar mit gemalten Postkarten, Gitte Schäfer aus Berlin, die unter anderem mit vor Ort gefundenen Gegenständen den Brauch des Erntedankteppichs für die Gegenwart aktualisiert, und Kristof Georgen.

 

Dieser 1965 in St. Georgen im Schwarzwald geborene Bildhauer hat dazu die Installation „Bis zum Meere 2840 Kilometer“ beigetragen.

Es handelt sich um ein unaufgeregtes Video, das über drei Bildschirme gleichzeitig, aber nicht synchron abläuft. Man sollte sich die Zeit nehmen und mit den Bildern vom Ursprung der Donau nach Krems und von dort ins Mündungsgebiet am Schwarzen Meer reisen, dabei mit dem Kapitän eines Schiffes plaudern, um beim nächsten Seitenblick wieder im Kunstraum Krems zu landen.

l.o.: Raed Bawayah, aus der Serie " Souls in Black or white", 2010 © Raed Bawayah

r.: Kristof Georgen, Videosequenz (Stills) aus "Bis zum Meere 2840 Kilometer" © Kristof Georgen

u.: Gitte Schäfer, Blüte © Gitte Schäfer

Leiste: Michael Munding, Krems 1 (Acryl auf Kupfer) © VBK, Wien 2011

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